· 

Paradiesisch: Rundwanderung von Kloster zu Kloster

Wandertipp für den Monat Mai:

Paradiesisch: Rundwanderung von Kloster zu Kloster

Wir beginnen diese herrliche Wanderung am Parkplatz des Klosters Kirchberg. Das Kloster besichtigen wir am besten am Ende unserer Tour und folgen gleich der Beschilderung Richtung Kloster Bernstein. Es geht zuerst rund 500 Meter das Sträßchen bergab, und dann biegen wir in den Schotterweg nach links ein. Immer wieder haben wir herrliche Ausblicke auf die malerische Klosteranlage, die sich auf dem langgezogenen Rücken des Kirchbergs wie ein mittelalterliches Städtchen erhebt.

 

Info: Kloster Kirchberg und Berneuchener Haus

Ursprünglich befand sich auf dieser Anhöhe zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb die Burg der Herren von Kirchberg. Die Dominikanerinnen kamen nach der Klostergründung 1237 durch den Hoheberger Graf Burkhard III. Später kam Kirchberg mit der Grafschaft Hoheberg an das Haus Habsburg und wurde österreichisch. In der Barockzeit wurde die Anlage umgestaltet, die Fassade des erhaltenen Westflügels stammt von 1733. In der Säkularisation 1805 fiel Kirchberg an Württemberg, es wurde zur Staatsdomäne und eine Ackerbauschule angegliedert. Die Nonnen ließ man noch im Kloster wohnen, die letzte verließ es 1865. Wegen der hohen Unterhaltskosten wurden Teile der leerstehenden Konventsgebäude der Stadt Rosenfeld als Steinbruch angeboten, die daraufhin den Ost- und Südflügel abbrechen ließ – nach einem Großbrand brauchte die Stadt dringend Baumaterial. Für die gotischen Maßwerkfenster und das östliche Eingangsportal fand sich keine Verwendung, und so blieben sie stehen. Erhalten geblieben sind auch die Ummauerung, einige Wirtschaftsgebäude, der Nordflügel und die Klosterkirche. Ab 1237 erbaut, wurde sie 1688 von Johann Feuerstein aus Rottweil barock umgebaut. Sehenswert sind neben den prächtigen Altären und der Kanzel aus der Barockzeit auch alte Grabplatten sowie die „Marienklage“ aus dem frühen 16. Jahrhundert. Im Nordflügel entdeckt man im Eingangsbereich noch das alte Sprechgitter der Nonnen. Es ist ein drehbares Holzfass, durch das auch Speisen gereicht werden konnten, ohne Blickkontakt zu den Nonnen zu bekommen. Das Kloster Kirchberg ist heute geistliches Zentrum der ev. Berneuchener Gemeinschaft und der ev. Michaelsbruderschaft und wird von ihnen als Tagungs- und Einkehrhaus genutzt.

 

Wir gehen an den Klosterteichen vorbei, in denen früher die Nonnen Fische züchteten. Heute quaken hier jedes Frühjahr tausende Frösche um die Wette. An der Gabelung am letzten Teich halten wir uns rechts und wandern weiter Richtung Kloster Bernstein.

 

Im Wald schwenkt der Weg mal links, mal rechts, meist geht’s leicht bergab. Wir kommen durch den urigen Hagwald und die Braunhalde oberhalb des Gossenbachtals.

Schließlich erreichen wir am "Tiefpunkt" unserer Wanderung den Waldrand und sehen die Dächer des ehemaligen Klosters Bernstein. Nach einem kurzen Stück auf einem asphaltierten Sträßchen erreichen wir die landwirtschaftliche Anlage mit Klosterweiher, die sich idyllisch in ein Waldtälchen schmiegt.

 

Info Leben im Kloster Bernstein

Etwa um dieselbe Zeit, als die Nonnen auf den Kirchberg kamen, sammelten sich hier im Wald Eremiten, um eine spirituelle Gemeinschaft zu gründen. Rund 100 Jahre später wurde ihre Behausung mit umliegendem Wald von Baron Hermann von Ow zu Hirrlingen erworben, um den Waldbrüdern eine sichere Existenzgrundlage zu schaffen. 1370 weihte Bischof Heinrich von Konstanz hier das erste Kirchlein. Die Klosterzellen der Mönche lagen im oberen Stock. Im Erdgeschoss befanden sich verschiedene Werkstätten, in denen die fleißigen Brüder hobelten, sägten, schnitzten, sohlten, nähten und Schmiedearbeiten ausführten. Hier entstand auch das prächtige Kirchengestühl vom Kloster Kirchberg. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Gemeinschaft der Waldbrüder auf Druck der Kirche in den Dritten Orden der Franziskaner eingebunden, was der Klause bis zum frühen 19. Jahrhundert das Überleben sicherte. 1580 kam Bernstein in die neu geschaffene Tiroler Provinz der Observanten. Um 1730 wurden Kirche und Kloster vom Steinmetzmeister Joseph Feuerstein aus Rottweil neu errichtet, wobei er sich am schlichten Stil der Vorarlberger Bauschule orientierte. 1805 wurde durch die Säkularisation auch das Kloster Bernstein und der bis dahin florierende Wirtschaftsbetrieb aufgelöst und verstaatlicht. Die Mönche mussten gehen, das Inventar der Kirche wurde verschleudert und die Anlage verwahrloste. Später war Bernstein erst Meierei, dann Schafhof und im Nationalsozialismus Landjahrlager für Jungen aus Städten, die hier eine vormilitärische Ausbildung bekamen und in den umliegenden Dörfern in der Landwirtschaft und im Handwerk schuften mussten. 1946 gründete der Glatter Künstler Paul Kälberer unter französischer Schirmherrschaft eine Schule zur Ausbildung von Künstlern und Kunsterziehern. Letzter Schulleiter der bald berühmten Bernsteinschule war bis 1955 HAP-Grieshaber, von dem der bekannte Ascheengel in der Gruft der Kirche stammt. Heute ist Bernstein ein privates landwirtschaftliches Gut, welches auch Übernachtungen anbietet. Die Klosterkirche ist im Rahmen von Kunstausstellungen, Konzerten und ähnlichem der Öffentlichkeit zugänglich.

Wir nach links um Bernstein und es eröffnen uns bezaubernde Blicke auf das malerische Kloster und die idyllische Umgebung. Über der Anlage erheben sich zwischen den Bäumen die Überreste der Klosterweinberge. Entlang des Pfades, markiert durch ein rotes Kreuz und ein rotes Dreieck, steigen wir nun sanft nach rechts in Richtung Wandbühl empor. Am Rindelberg folgen wir der klaren Beschilderung und biegen scharf rechts in den üppigen Wald ein.

Auf einem schmalen Pfad erreichen wir bald den erhabenen Aussichtspunkt Wandbühl, gekrönt von seinem hölzernen Doppelkreuz. Wir haben den höchsten Gipfel unserer Reise erklommen und lassen uns von der prachtvollen Panoramaaussicht auf das darunter liegende Kloster Kirchberg sowie die majestätische Schwäbische Alb verzaubern.

Daraufhin kehren wir zum Kloster Kirchberg zurück und betreten die malerische Klosteranlage durch das prächtige Portal aus dem Jahr 1749.

Im Innenhof passieren wir den Klosterladen, alte Wirtschaftsgebäude und die Klosterschenke, eine vorzügliche Einkehrmöglichkeit. Unten am imposanten Konventsgebäude entlang, enthüllen sich vor uns die Kreuzgangarkaden mit ihrem bezaubernden gotischen Maßwerk.

Mit dem alten Brunnen, dem Klostergarten, dem Nonnenfriedhof und der Klosterquelle, umgeben von natürlichen Biotopen zwischen den Klostermauern, offenbart sich dieser Ort als eine paradiesische Oase der Stille und Erholung.

Vom Hang aus bietet sich an klaren Tagen ein atemberaubender Blick auf die Schwäbische Alb mit der Burg Hohenzollern.

Wenn wir nun entlang der linken Seite der Kirche gehen, führt uns der Weg neben dem Labyrinth und dem Gebäude, in dem die Kunstausstellung des Bildhauers, Malers und Glasmalers Helmuth Uhrig (1906-1979) zu sehen ist, zur Katharinenkapelle. Diese Kapelle dient als Grabstätte der Ritter von Weitingen aus dem 14. Jahrhundert und gewährt uns den Zugang zur Klosterkirche St. Johannis. Das ursprüngliche Kirchengebäude aus dem 13. Jahrhundert ist heute noch durch sein frühgotisches Portal erkennbar. Die Kirche, die im Jahr 1237 erbaut wurde, erfuhr im Jahr 1688 eine barocke Umgestaltung durch Johann Feuerstein aus Rottweil. Hier, am Ausgangspunkt Kirchberg, findet unsere Tour wieder ihren Abschluss.

 

 

Toureninformationen:

 

Länge: 7,9 Kilometer

 

Höhenunterschied: 194 Meter

 

Gehzeit: rund 2,5 Stunden

Einkehrmöglichkeit: Klosterschenke, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17.30 Uhr
(von Mai bis Oktober sonn- und feiertags bereits ab 12 Uhr)

 

Anfahrt: von Haigerloch nach Gruol oder auf der A81 Ausfahrt Empfingen nach Renfritzhausen, dann jeweils der Ausschilderung zum Kloster Kirchberg folgen.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0